7. April 2012

All die ganzen Jahre

Ja, heute wird's mal wieder etwas ernster von mir... Denn es geht um etwas sehr Wichtiges, dass man leider nur all zu oft falsch anpackt und damit unwiderruflich kaputt macht: Freundschaft!

Es gibt verschiedene Arten von Freunden. Manche, mit denen hat man sein halbes Leben verbracht und kennt sie besser als sich selbst. Andere wiederum, die trifft man und es passt einfach und es ist, als würde man sich schon ewig und drei Tage kennen. Freundschaften, die eng sind, voller Vertrauen, in denen man sich alles erzählen kann. Freundschaften, die nur dazu da sind, dass man miteinander Spaß hat, ungezwungen, launenhaft. Und Freundschaften, die nicht so eng sind, lose Zusammenschlüsse von Menschen mit selben Interessen, die sich gut leiden können und gerne beieinander sind. Sie sind "gute Bekannte", Kollegen, Stammtischbrüder, man geht in den selben Verein oder Fitnessclub...
Ich habe, glaube ich, aus so ziemlich jedem Schublädchen ein paar Bekannte, Freunde, wie auch immer man das beschreiben möchte. Und diese Freundschaften sind so unterschiedlich wie die Menschen, die darin verwickelt sind. Viele wachsen mir nach kurzer Zeit sehr ans Herz, obwohl ich sie selbst wahrscheinlich nie als "Freunde" bezeichnen würde. Und natürlich pflegt jeder seine Freundschaft anders.

Da ist Sie, mittlerweile eine junge Frau, mit der ich fast mein ganzes Leben verbracht habe. Es muss Schicksal gewesen sein, als wir uns damals, am ersten Tag der 5. Klasse, getroffen haben. Seit dem ist viel Zeit vergangen. Mal waren wir jeden Tag beieinander, dann wechselten wir auf verschiedene Schulen, wir sahen uns seltener aber immer noch regelmäßig, dann zog ich weg und der Kontakt ließ nach und nach immer mehr nach.
Und plötzlich ruft sie an und labert mich zu, als wäre nichts gewesen. Und ich fahre nach Hause und wir verbringen zwei, drei Tage am Stück miteinander, als wäre es nie anders gewesen. Egal wie lange sich der andere nicht meldet, egal ob er wieder vergisst einen Brief oder eine E-Mail zu beantworten, wir sind nie böse aufeinander. Denn wir wissen, sobald wir uns wieder sehen ist alles wie immer!
Wer uns zusammen sieht, der muss zweimal hinsehen. Sie ist klein, süß, durch und durch ein Mädchen mit perfekter Frisur (auch wenn sie selbst es nicht so sieht); ich bin von mittlerer Statur, frech und so gar nicht mädchenhaft, mit Piercings und Tattoos. Sie trägt hellblau, rosa und weiß; ich trage schwarz. Sie mag Frauenliteratur, Sex and the City und Cocktails trinken; ich mag Horrofilme, Fantasyromane und weiß ein gutes Bier zu schätzen. Sie hält ihr Auto sauber; meines sieht aus wie die Sau. Sie spielt auf ihrem DS Gehirnjogging und Nintendogs; ich trage Pokémonkämpfe aus oder Meuchle im alten Italien korrupte Politiker. Kurzum: wir könnten verschiedener nicht sein.
Und doch, sie ist (und bleibt) meine beste Freundin!

Da ist Er, mit dem ich in den selben Verein gehe. Er war ein Punk, ist nun eher in der Cybergoth-Szene unterwegs, hat bunte Haare und stets ein neues Mädchen an der Seite. Er ist 18, verhält sich aber eher wie 15. Tage-, wochen-, monatelang höre ich nichts von ihm. Dann trifft man sich auf einem Umzug und er strahlt und plappert als wäre nichts gewesen.
Dann wieder: Funkstille. Bis: "Wir bräuchten jemanden, der uns ins Abby fährt."
Er ist noch jung und irgendwann ist er vielleicht auch an dem Punk angelangt, an dem man Freundschaften nicht monatelang auf Eis legt, um sie dann wieder neu aufzuwärmen...

Es gibt Freunde, die sehe ich selten, doch wenn wir uns an der Uni sehen tauschen wir Geschichten aus, schauen und vorübergehende Leute an und ab und zu mästet sie mich mit selbstgemachtem veganen Gebäck. Der Kontakt ist, leider, sehr sporadisch, doch wenn wir uns sehen ist es immer lustig. Oder ernst. Wir schlagen uns oft mit den selben Problemen herum, kennen zumindest an der Uni die selben Leute und haben so unsere kleinen Geheimnisse.
Dann gibt es Freunde, die wohl eigentlich keine sind, sondern Kollegen, Kommilitonen oder gar Vorgesetzte. Wir sehen uns meist auf "geschäftlicher Ebene", doch unsere Gespräche werden schnell privat und wir lachen und klagen zusammen.
Da sind Freunde, über die ich mich tierisch aufrege, weil sie wieder in ein Fettnäpfchen nacheinander treten oder wider Dinge tun, die aus meiner Sicht Menschen mit Rückgrat einfach nicht machen würden. Und doch steckt in unserer Beziehung etwas, dass uns zu Freunden macht, wie unausstehlich sie auch manchmal sein mögen...

Was es in meinem Leben nicht gibt, was heutzutage wahrscheinlich schon eher die Ausnahme ist, zumindest in meiner Generation, sind Internet-Freunde. Klar, da sind Blogger und Leute auf tumblr mit denen ich ab und an mal schreibe oder Kommentare austausche, aber Freunde? Über's Internet? So was gibt's bei mir irgendwie nicht. Und das, obwohl es über's Internet doch mittlerweile so einfach ist Leute mit den selben Interessen zu finden...

Kommentare:

  1. Ich hab auch viele Erfahrungen mit verschiedenen Arten von Freunden gemacht. Und mittlerweile ist es bei mir so, dass ich auf Freundschaft nicht mehr so viel gebe. Es gab sogenannten Freunde, die behaupteten, beste Freunde zu sein, die mich dann hintergangen und belogen haben. Und als ob das einfach nur das Vertrauen dieser einen Person gegenüber zerstört wäre... es ist vielen gegenüber kaputt und angekratzt, weil wenn die angeblich beste Freundin so falsch sein kann, warum sollten es dann die nicht so engen Freunde sein?
    EIn anderes Beispiel. Eine Freundin, die ich supergern hatte. Für die ich gerne Dinge getan habe, aber auch ehrlich zu ihr war. Sogar als sie aufgrund einer Sache in der Psychiatrie landete, war ich für sie da. Und ich weiß bis heute nicht so wirklich, was ich getan habe, denn eines Tages behauptete sie, ich wäre immer gegen sie und würde nur an ihr herumkritisieren. Und das wahrscheinlich nur, weil ich eben manchmal die Wahrheit sagte (es ging um ihre Gewichtsprobleme, wo ich einfach meinte, dass sie sie nie in den Griff bekäme, wenn sie sich nur von Pizza und dergleichen ernähren würde) und irgendwann einmal erreicht auch mein Stolz seine Grenzen und ich entschuldigte mich nicht mehr für Dinge, die sowieso nie vorgefallen waren (wie vorher so oft).
    Demnach hab ich nicht mehr sonderlich Lust darauf, Leuten hinterherzurennen.
    Klar sag ich zu meinen Freunden das Wort Freunde, aber einfach wahrscheinlich weil es kürzer und bequemer ist, als sich irgendeinen präziseren Begriff auszudenken.
    Wenn bei mir Freundschaften zerbrechen oder einfach auseinandergehen, sehe ich das mittlerweile einfach nicht mehr so eng, weil mir oft genug gezeigt wurde, das Menschen einfach kacke sind.

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    1. Das kann ich aber auch gut nachvollziehen. Ich denke jeder ist mal von einem oder mehreren sogenannten Freunden verarscht, ausgenutzt und hintergangen worden...
      Ich versuche mich dadurch aber nicht entmutigen zu lassen. Ich habe nur mit der Zeit gelernt, dass man sich die, denen man wirklich wichtige Geheimnisse anvertraut, wohl weißlich ausgesucht werden sollten...

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  2. Was natürlich nicht heißt, dass ich meine Freunde nicht mag oder abwertend über sie denke, ich sehe sie einfach nur nicht als Konstante in meinem Leben, bzw. denke da einfach nicht drüber nach.

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  3. Kleine Woelfin,

    ich kann Dich irgendwie beruhigen (muss ich das ueberhaupt?):
    So menschenscheu ich auch bin und so ablehnend ich gerade Internetbekanntschaften gegenueberstehe, habe ich im Laufe der letzten zwei Jahre eine recht dicke, bestaendige und ueberaus amuesante Internetfreundschaft gebildet.
    Es geht also doch, aber ob man sowas bewusst schafft, bezweifle ich.

    Bleib tapfer, was Menschen anbelangt!

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:) :( :P :-* :-O :F :7 :3 XD